August 16, 2019

Rückblick auf das 5. IOTA Meetup in den Niederlanden

Rückblick auf das 5. IOTA Meetup in den Niederlanden

Das 5.IOTA Meetup in den Niederlanden hat am Donnerstag, vor einer Woche, den 08. August 2019 in Utrecht stattgefunden!

Es gab spannende Vorträge über Digitale Identität, Selective-Permanodes, Iota im Gesundheitswesen und über Qubic. Wir haben das Ganze per Livestream verfolgt und das Wichtigste für euch notiert.
Viel Spaß mit unserem Rückblick!

Organisiert wurde das Ganze von dem Community Mitglied hophop, Gastgeber und Moderator war IF-Mitglied Dave de Fijter.

Das Lineup

  • Jelle Millenaar: Digitale Identität in der Welt von morgen
  • Olaf van Wijk: Selektive Permanodes
  • Dennis Schouten und Peter Willemsen: SKALY Healthcare-Unternehmen on the Tangle
  • Eric Hop (IF-Mitglied): Qubic + mehr.

Talk 1: Digitale Identität in der Welt von morgen

Zu aller erst, Jelle Millenaar ist nun auch in die IOTA Foundation eingetreten, aber *pssst*, es ist noch nicht offiziell! ;-) Trotzdem Glückwunsch, du hast es dir verdient! Dieser Talk wurde in der Zeit vor dem Beitritt erarbeitet, daher die ausdrückliche Information “In diesem Vortrag repräsentiere ich nicht die IOTA Foundation”.

Jelle, im Discord auch bekannt als Yell0w#0645 ist ein Software Ingenieur. Ihr kennt ihn vielleicht von dem Odyseey Hackathon (https://www.einfachiota.de/#/post/odyssey-hackathon-2019-rueckblick), da hat er mit seinem Team “Team VX Company” den ersten Platz erreicht.

Nun aber ins Thema, Jelle spricht über digitale Identität, was man sich sehr leicht als “Online Profil” vorstellen kann. An solch einem Profil können verschiedene Daten hängen, wie zum Beispiel digitale Dokumente, wie Personalausweis oder Führerschein. Das spannende sind nun die “dezentrale Kennungen” (Decentralized Identifiers = DID), die man selbst Zuhause, oder in der Cloud verwalten kann. Mit einer digitalen Identität kann man innerhalb kürzester Zeit nachweisen, dass man Inhaber eines Dokumentes ist oder sich ausweisen.

Das Konzept der digitalen Identität ist sogar von der UN als “Sustainable Development Goal”, also als nachhaltiges Entwicklungsziel ausgerufen worden. Hier sollen bis 2030 alle Menschen eine digitale Geburtsurkunde erhalten. In Deutschland ist das schon ganz normal, das man eine Geburtsurkunde bekommt, aber in vielen Ländern ist dies leider nicht der Fall. Viele Menschen wurden nie erfasst und können sich nicht ausweisen, wenn sie zum Beispiel mal medizinische Hilfe im Krankenhaus brauchen. Viele Leute haben ein Handy aber keine Dokumente mit sich.

Ein weiterer wichtiger Punkt ist das Eigentum der Daten. Auf die Frage “Wem gehören meine Daten” kann heutzutage fast immer mit “irgendwem, nur nicht mir” beantwortet werden.

Aus diesem Grund gibt es nun immer mehr Initiativen um die Größe der Datensilos zu reduzieren und das Eigentum zurück zum Datenerzeuger zu bringen. Dies wurde in der EU sogar gesetzlich mit der DSGVO, die Datenschutz-Grundverordnung geregelt. Die DSGVO bedeutet im Prinzip, das die Firmen so wenig von dir wissen sollten, wie es nur möglich ist.

Die digitale Identität kann in vielen Bereichen eingesetzt werden, da man sich fast immer irgendwie ausweisen muss. Im Internet muss man sich meisten mit der E-Mail und einem Passwort anmelden, was auch eine Form des Anwesens ist. Um auf der sicheren Seite zu sein, müsste man verschiedene Passwörter auf verschiedenen Seiten benutzen - und die Passwörter sollten sehr lang und komplex sein. Hier kann eine digitale ID sehr hilfreich sein.

In der Lieferkette zum Beispiel gibt es sehr viele verschiedene Akteure, von denen sich jeder als ein Teilnehmer dieser Lieferkette ausweisen muss. Somit können gefälschte Waren einfacher Identifiziert werden.

Jelle erzählt von einem spannenden Anwendungsfall, an dem er mit der Firma “VX Company” in Zusammenarbeit mit “Vialis” gearbeitet hat. Vialis steuert Verkehrssysteme wie Ampeln. Die Idee des Anwendungsfalls war, beladene LKWs einen Vorteil im Straßenverkehr zu gewähren, indem die Ampeln so geschaltet werden, dass die LKWs nicht ständig bremsen und beschleunigen müssen und so schneller durch den Straßenverkehr kommen. Das spart extrem viel Zeit, ist aber auch sehr gut für die Umwelt, da das Anfahren am meisten Energie verbraucht.

Auch in intelligenten Stromnetzen werden digitale Identitäten benötigt, da man auch hier den Eigentümer einer Solaranlage bestimmen muss, wenn dieser den produzierten Strom verkauft.

Beispiel: Englisch Tea time
Einmal am Tag schaltet jeder Engländer etwa zur gleichen Zeit den Wasserkocher an, um Tee zu kochen. Das verbraucht plötzlich Unmengen von Strom, die Stromanbieter irgendwie ausgleichen müssen.

Die Kohle muss aber schon drei Stunden früher verbrannt werden um diese Spitze abzudecken. Also: Große Anlagen sind dafür einfach nicht flexibel genug.

Mit IDs für jedes elektronisches Gerät könnte man das alles optimieren und z. B. den Kühlschrank oder andere Geräte kurz in der Energiespritze abschalten.

Fragerunde

Was kann man tun, wenn man sein Handy, mit allen Identitäten darauf verliert oder kaputt geht?
Man muss Daten natürlich irgendwo auf einem zweiten Gerät absichern. Dafür gibt es verschiedene Ansätze, zum Beispiel das sie in viele kleine Pakete zerteilt werden und auf verschiedenen Geräten, wie das von deinem Vater, deiner Mutter und deinen Geschwistern gespeichert werden und nur, wenn man alle Stücke zusammen bringt, kann man die Identitäten wiederherstellen.

Die andere Möglichkeit wäre, man speichert sie einfach verschlüsselt in der Cloud.

Wie kann man nachweisen, dass du wirklich deine Identität benutzt?
Mit starken Passworten und Funktionen wie 2-Faktor Authentifizierung.

In einen Distributed Legder können keine Daten verändert werden. Was passiert, wenn ein Fehler passiert, kann dieser rückgängig gemacht werden?
Ja, das geht ganz einfach. Du kannst den Eintrag natürlich nicht einfach löschen, aber du kannst einen neuen Eintrag machen, der den falschen Eintrag ungünstig macht. Somit hast du auch eine schöne Historie, und kannst genau nachverfolgen, ob die Identität noch gültig ist.

Weitere Fragen?

jelle.millenaar@iota.org
twitter.com/JelleFm
Discord: Yell0w#0645
linkedin.com/in/jellefm

Talk 2: Selektive Permanodes

Olaf van Wijk ist ein bekanntes Community Mitglied und hat schon einige sehr interessante Artikel geschrieben. Sein letzter Artikel bezog sich auf “Selektive Permanodes”, also wie man nur einen Teil des Tangles speichert. Für dieses Thema hat Olaf auch vor kurzem finanzielle Unterstützung aus dem EDF Topf bekommen. Was genau “Selektive Permanodes” sind und wie man diese erreicht, wird er uns nun erklären:

Das Problem
Das Tangle skaliert bis ins Unendliche. Das ist zwar ganz nett, nicht aber wenn man die Daten auch permanent speichern will. Aktuell hat man die Möglichkeit alle Daten zu speichern, oder keine. Natürlich ist es in der Zukunft nicht mehr möglich, alle Daten des Tangles auf einem Rechner zu speichern. Viele Entwickler haben jetzt schon das Problem, dass sie ihre Daten nach einem Snapshot nur behalten können, wenn sie alle Transaktionen des Tangles sichern. Das kostet aber sehr, sehr viel Speicherplatz.

Das Ziel der Selektiven Permanodes ist nun, nur die Daten zu speichern die für einen selbst relevant sind. Dieses Ziel gibt auch einen Anreiz, einen eigenen Node in Betrieb zu nehmen und Teil des Netzwerks zu werden, denn andernfalls verliert man seine Daten.

Olaf stellt sein neues Startup “Aion” vor.

Aion konzentriert sich auf 5 Bereiche

01 Tangle Pathways
Tangle Pathways beschreiben den “Pfad” von Transaktionen und speichern ihn wieder in dem Tangle. Es kann ein Pfad aus bis zu 5000 Transaktionen in einer einzigen Transaktion gespeichert werden.
Artikel (englisch)

02 Data threads
Ist in etwa eine Liste aus Pfaden, also aus den oben beschriebenen Pathways. In Kombination mit Masked Authenticated Messaging können diese Pfade sehr sicher verwaltet werden. Alles ist verschlüsselt und nur der Ersteller kann diese Daten lesen und finden.

03 Time warps
Das Problem der Skalierung bleibt aber weiterhin. Je mehr das Tangle benutzt wird, desto länger werden die Pfade.

Time warps geben eine Möglichkeit, in einer einzigen Transaktion die Tangle History von 10 Tagen zu speichern, wenn man alle 3 Minuten einen Time warp durchführt.

Dieses Vorgehen gibt eine Konstante, um den voraussichtlichen Speicherplatz zu berechnen.

So sieht das ganze in Olafs privatem Test Tangle aus:

Die Linie in der Mitte ist die Verbindung der Time Warp Transaktionen.

04 Storage
Der Speicherprozess der IOTA Reference Implementation (kurz: IRI) muss natürlich ein bisschen angepasst werden. Es wird ein Zähler hinzugefügt und IRI darf keine Transaktionen löschen, bei denen der Zähler größer als 0 ist.

05 API’s und Konfiguration
Natürlich muss das alles konfigurierbar sein und zugänglich für andere Applikationen gemacht werden. Daher wird es hier die Möglichkeit geben, zum Beispiel das Intervall eines Time Warps einzustellen oder einfach Daten über die Schnittstelle abzurufen.

Kontakt

Twitter: https://twitter.com/ovanwijk
Discord: Olaf van Wijk#1273
LinkeIn: https://www.linkedin.com/in/ovanwijk

Talk 3: SKALY Healthcare-Unternehmen on the Tangle

Dieser Talk handelt von einem neuen Startup von Dennis, Stan und Peter. Die drei sind schon etwas länger im IOTA Ecosystem unterwegs und Peter kennt ihr vielleicht von dem Ledger Projekt. Er hat bei der Entwicklung geholfen, damit ihr eure IOTA’s sicher und einfach auf dem Ledger speichern könnt.

Scaly fokussiert sich auf Lebens- ,Krankenversicherungen und Pflegeorganisationen. Sie liefern Gesundheitsdaten, die von intelligenten Waagen erfasst werden und die Identität der gewogenen Person kann bestimmt werden. Der Datenaustausch funktioniert natürlich mit Hilfe des IOTA Tangles. Die Idee kam vor einiger Zeit, als sie gemerkt haben, wie einfach es doch ist, Systeme wie einen Schrittzähler zu manipulieren.

Somit können Betrüger sehr einfach Belohnungen von Krankenkassen abgreifen, ohne wirklich die positiven Aktivitäten wie spazieren gehen oder Joggen absolviert zu haben.

Sie fingen an, einen richtigen Prototypen zu entwickeln, haben aber schnell erkannt, dass eine Waage zwar als Prototyp sehr schnell gebaut ist, aber diese dann zu einen verkaufsfähigen Produkt zu machen, ist ein sehr langer und schwerer Weg.

Nach dieser Erkenntnis beschlossen sie, den Fokus erst einmal auf die Software zu legen und einen Partner zu finden, der sich um die Waage kümmert.

Die Software kann sich mit aktuellen Waagen verbinden, den Benutzer identifizieren und die Daten via MAM verschlüsselt in den Tangle senden. Das alles funktioniert mit der eigens entwickelten App.

Im Video kann man dazu eine Live Demonstration von Peter sehen.

Skaly hat eine strategische Partnerschaft mit “Tanita Europe”, einem Hersteller für Intelligente Geräte und Waagen und beginnt mit dem ersten Pilot Projekt Ende diesen Jahres.

Sie suchen übrigens noch nach weiteren Pilotprojekte also meldet euch bei ihnen!

Kontakt:

Dennis Schouten (dennis.skaly.io)
Peter Willemsen (peter@skaly.io)

Talk 4: Qubic and more

Eric Hop, Produktmanager von Qubic erzählt uns etwas über Qubic und sich selbst! Er fängt damit an zu überlegen, wie er an die heutige Position gekommen ist. Er hat vor etwa 40 Jahren angefangen Code zu schreiben, in BASIC und er liebt das Programmieren noch heute.

Eric ist im Frühjahr 2017 auf IOTA gestoßen und öffnete eine Facebook Gruppe in der er Leuten bei Fragen und Problemen geholfen hat. Er hatte sich vorher mit den Technologien der Blockchains befasst, war aber sehr unzufrieden mit der nicht skalierbaren Funktionsweise und wurde dann von einem Freund auf auf das Tangle von IOTA verwiesen.

Holy Crap -  This is really next level.
> Eric Hop about IOTA’s Tangle.

Als die IOTA Foundation auf Eric aufmerksam wurde, durfte er als Projektmanager des Projekts mit dem damaligen mysteriösen Namen “Q” beitreten. Später wurde “Q” dann unter dem Namen Qubic vorgestellt und verspricht skalierbare Berechnungen auf dezentralen Computernetzwerken. Das Problem heutiger dezentraler Berechnungen ist die Skalierungbarkeit und die Effizienz. Die Programme müssen von allen Teilnehmer des Netzwerkes ausgeführt werden und dann wird das Ergebnis miteinander verglichen. Das bedeutet, dass diese Form des Rechnens sehr ineffektiv ist und nur sehr schwer skaliert werden kann.

Qubic an sich bringt keine Smart Contracts in den Tangle. Außerdem merkt Erik an, dass der Begriff “Smart Contract” etwas zu sehr gehyped worden ist und keine genaue Definition hat, sodass jeder eine etwas andere Vorstellung davon hat.

Das Tangle wurde erschaffen, um Qubic zu ermöglichen. Qubic ist somit die eigentliche Vision und das Tangle wird nur als Grundlage (Backbone) dafür gebraucht. Das Tangle ist für das Internet der Dinge gedacht, und da man sich heute noch nicht sicher ist, was für Anforderungen an ein solches "Backbone" anfallen, wird man noch einige Iterationsschritte brauchen, um das Tangle fertig zu stellen.

Was in der letzten Zeit alles erreicht wurde:

Das Qubic Berechnungsmodell, bestehen aus einer Art Assembler Sprache namens Abra (Ein Assembler (auch Assemblierer) ist ein Computerprogramm, dass die Assemblersprache in Maschinensprache übersetzt.).

Abra ist in einem trinär formatierten Code geschrieben, welchen man in den Tangle senden kann.

Außerdem gibt es eine etwas höhere Programmiersprache (für Menschen leichter zu lesen und zu schreiben) namens Qupla (= Qubic programming language).

Das Abra und Qupla Modell wurde nach dem Paradigma der funktionalen Programmierung angepasst.

EEE - Entity Environment Effect

Ein Environment ist nicht mehr als eine Schnittstelle zu der man Daten senden kann. Man weiß nie genau, was hinter einer solchen Schnittstelle steckt. Man sendet einfach Daten zu einem Ding mit einem bestimmten Namen und dessen “Supervisor” weiß wer hier alles registriert ist - registrierte Teilnehmer in einem Environment nennt man “Entities”.

Oracles können Entities sein. Oracles stellen Daten bereit, wie zum Beispiel ein Sensor der die Temperatur misst und versendet. Qubics, also der Code der ausgeführt werden soll, kann auch ein Entity sein. Entities können auch in anderen Programmiersprachen geschrieben werden.

In dem aktuellen Ansatz bei der Entwicklung, wird stark darauf geachtet, ein sehr modulares System aus vielen, sehr kleinen Einzelteilen zu konstruieren. Außerdem werden Prinzipien der modernen Softwareentwicklung wie “Test Driven Development” angewendet. Also man schreibt erst einen automatisierten Test und danach den eigentlichen Code. Somit erschafft man eine Code Basis, die sehr gut getestet ist und viel besser gewartet werden kann.

Eric geht hier noch sehr tief ins Technische und um dies hier alles zu erklären, würde der Artikel viel zu lang gehen. Falls jemand Interesse hat, diesen Talk mal richtig zusammenzufassen und für die Community bereit zu stellen - melde dich doch bitte bei uns im Discord! (;


Das Video des gesamten Events könnt ihr euch hier auf Youtube angucken:


Die Slides findet ihr hier:

https://docs.google.com/presentation/d/e/2PACX-1vRg9CeonXzRphBsisWqDxFaWj4lgpJ6-pNYEGWgudxMvtoydFc83ndv2Rd8JM0YSJZZIPSLpKP1mzRZ/pub?start=true&loop=false&delayms=10000&slide=id.g5f50846ea3_2_54

Ein großer Dank an die Veranstalter und an die Speaker! Wir freuen uns schon auf das nächste Meetup!

Bis zum nächsten Meetup!